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STEFAN GLOWACZ

FASZINATION GRÖNLAND

・So. 18.04.2021 | 19:00 Uhr (Einlass 18:30 Uhr)

・Waitzinger Keller Miesbach

・Tickets hier

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FASZINATION GRÖNLAND

Unter dem Motto “We will finish what we started“, brach Profi-Abenteurer Stefan Glowacz mit seinen Teamkollegen Philipp Hans, Markus Dorfleitner, Christian Schlesener und dem Fotografen Moritz Attenberger am 7. Juli 2019 an die Ostküste Grönlands auf. Das Ziel: im abgeschiedenen Scoresbysund eine Erstbegehung an der 1.977 Meter hohen Grundtvigskirken zu realisieren.

Am ersten Klettertag, just in der ersten Seillänge werden Glowacz und Seilpartner Philipp Hans jedoch von einer Steinlawine erfasst. Etwa 100 Meter über den beiden bricht eine tischgroße Granitplatte aus und zerbirst etwa 50 Meter über den Kletterern an einem Felsvorsprung in steinerne Geschosse, die Glowacz am rechten Oberschenkel und rechten Unterarm verletzen. Philipp Hans kommt mit einem Streifschuss am Oberschenkel Gott sei Dank glimpflich davon. Der ursprüngliche Plan einer Erstbegehung an der Nordwand muss aufgrund der brüchigen Felsqualität, ebenso wie eine Linie durch die Ostwand verworfen werden. Zu gefährlich, unkalkulierbar hoch das Steinschlagrisiko. 

Im Team beschließt man, vom Ende des Südgrates etwa 200 Meter abzuseilen, um am Wandfuß der Südwestwand einzusteigen. Der Aufstieg über den Südgrat offenbart sich trickreich, lang und brüchig. Lediglich die schwierigsten Stellen abgesichert, meistern die Kletterer die 1500 Höhenmeter vom Basecamp bis zum Biwakplatz weitgehend seilfrei an einem Tag. Glowacz, der nur noch unter Einnahme von starken Schmerzmitteln klettern kann, und Christian Schlesener richten die Abseilstrecke ein.

Philipp Hans, Christian Schlesener und Moritz Attenberger beginnen am 7. August um 8 Uhr morgens mit dem Abseilen bzw. Abklettern über Bänder und Absätze zum Wandfuß der Südwestwand. Glowacz und Dorfleitner folgen. Bis zum Gipfel sind es etwa 600 Meter, die man nonstop absolviert.

Die klettertechnischen Schwierigkeiten sind anfangs moderat, die Felsqualität ist im Gegensatz zur Nordwand geradezu fantastisch, dafür ist es empfindlich kalt. Die Schwierigkeiten bewegen sich im oberen siebten, an wenigen Stellen im unteren achten Grad. Vorwiegend in Riss-Systemen kletternd, kommt das Team gut voran.

Um Mitternacht ist nach 15 langen, 50 bis 60 Meter Seillängen das Gipfelplateau erreicht. Im Osten deutet ein blutroter Streifen bereits den Aufgang der Sonne an, die nie untergegangen ist. Im Norden schimmern unzählige Eisberge im diffusen Blau der nicht existierenden Nacht. Etwa 24 Stunden nach Aufbruch wird wieder der Biwakplatz erreicht und das Team gibt der Route den passenden Namen „Suffer and smile - boys don't cry“.

Bilder © Fotos 1,3,5 Moritz Attenberger und Fotos 2,4,6 Thomas Ulrich

Im Grunde hatte Stefan Glowacz gar keine andere Wahl, als einer der erfolgreichsten Alpinisten zu werden. Früh nahmen ihn seine Eltern mit in die Berge, jenes Terrain, das später seine Heimat werden sollte, und wenn er heute über seine frühkindliche Prägung redet scheint der Weg geradezu vorbestimmt gewesen zu sein: „Ich bin ja schon als Kind jeden Felsblock hoch, wenn ich mit den Eltern beim Wandern war.” Die Faszination Felsblock hat ihn nicht mehr losgelassen, und auch wenn die Felsen immer steiler wurden, und das Terrain um sie herum immer unwirtlicher, blieb die Motivation letztlich immer die Gleiche: Aufwärts in die Herausforderung. Es ist diese Mischung aus kindlicher Abenteuerlust, Demut und unbeschreiblichem Stolz, die Glowacz, Jahrgang 1965, noch heute immer wieder in die entlegenen Orte der Erde treibt. Wenn ihm auch seine Eltern die ersten Schritte ins Abenteuer wiesen, so war es doch sein Ehrgeiz, der ihn später zum Allround-Kletterer und Self-Made Unternehmer werden ließ.

Natürlich hatte auch der junge Glowacz diese Phase, als er seine Lehre und beruflichen Verpflichtungen dem Klettern so gnaden- und gedankenlos unterordnete, wie das wohl nur Visionäre tun. Es war und ist seine Passion. Aber während schon in den späteren 80ern viele lebten, um zu klettern, wollte Glowacz darüber hinaus irgendwann auch klettern, um zu leben. Früh entdeckte er, dass seine Leidenschaft nicht mit dem Abseilen enden darf, um sie zum Beruf zu machen und für Profis die Arbeit unterhalb der Vertikalen erst beginnt. Glowacz gewann das prestigereiche Rock Masters in Arco, erhielt mit einer Einladung ins Aktuelle Sportstudio des ZDF den medialen Ritterschlag als Sportler und schauspielerte im Werner Herzogs „Schrei aus Stein”. Als Ziehkind des Bergsportpaten Reinhold Messner avancierte er endgültig zum Vorreiter einer Bewegung. Zudem bewegte sich Glowacz stets auch selbst.

Eine Verletzung am Knöchel lehrte ihn jene Kehrseite, die gute Sportler erst vervollständigt: Dass zum jedem Hoch auch ein Tief gehört. Er kämpfte sich aus dem Tal zurück, beendete 1993 seine Wettkampfkarriere, widmete sich fortan stärker den unentdeckten, abgeschiedenen Wänden der Welt und bereicherte sein Leben um eine weitere Komponente: Das Hinkommen wurde ebenso wichtig wie das Hinaufkommen: Per Jeep durch die namibische Halbwüste, auf Skiern über die Eisfelder Patagoniens oder im Kanu des venezuelanischen Dschungels – es geht nicht mehr allein darum, wie schwierig die Routen sind, sondern wo. Nämlich dort, wo Lebenserfahrung, Ausdauer und Übersicht mindestens ebenso wichtig sind wie Schnellkraft und jugendlicher Elan.

Glowacz’ Nachfolger arbeiten wie einst er selbst an den Grenzen des klettertechnisch Möglichen, der gereifte Kletterer Glowacz arbeitet heute an den Grenzen der Zivilisation. Längst gibt er diese Erfahrung über das Vorwärtskommen, ob nun vertikal oder horizontal, ob dabei Kreativität oder doch eher Kondition verlangt wird, weiter. Er ist Vortragsredner für Führungskräfte aus der internationalen Wirtschaft und selbst Inhaber des Kletterausrüstungsherstellers Red Chili.

Die mehr als 30 Jahre seit seinem ersten Felsblock haben ihn an die steilsten Wände, die tiefsten Täler, zur deutschen Fußball-Nationalmannschaft und in namhafte deutsche Unternehmen geführt. Und ob nun Wettkampfkletterer, Abenteurer, Unternehmensgründer oder Referent – der einfache Weg war nie sein Ding, sondern vielmehr die Fähigkeit, das Ungewöhnliche zu meistern. Stefan Glowacz ist Vater von Drillingen.

Bild © Thomas Ulrich

Unterstützt von:

Stefan Glowacz "Faszination Grönland"